Metropolregion Mitteldeutschland-watttron GmbH: Punktgenau und effizient

IQ-Preisträger 2017 im Portrait

watttron GmbH: Punktgenau und effizient

13.07.2017
Marcus Stein

Für ihr intelligentes Matrixheizsystem wurde die watttron GmbH aus Freital beim IQ Innovationspreis Mitteldeutschland 2017 mit dem Clusterpreis Energie/Umwelt/Solarwirtschaft ausgezeichnet. Welche Entwicklungsschritte als nächstes anstehen und was der Gewinn des IQ Innovationspreises dem Unternehmen bedeutet, erklärt Marcus Stein, Mitbegründer und Geschäftsführer der watttron GmbH.

„Einer unserer Pilotkunden hat unsere Innovation als technologische Revolution bezeichnet, auf welche die Lebensmittelindustrie und Verpackungsmaschinenhersteller seit zwanzig Jahren gewartet haben“, erklärt nicht ohne Stolz Marcus Stein, einer der Gründer und Geschäftsführer der watttron GmbH. Seit der ersten Idee im Jahre 2007 forschte der Ingenieur zusammen mit seinen Kollegen Sascha Bach und Ronald Claus am Institut für Verarbeitungsmaschinen und Mobile Arbeitsmaschinen der Technischen Universität Dresden an einem intelligenten, punktgenauen Heizsystem. Im Februar 2016 gründeten sie zusammen mit Michaela Wachtel die watttron GmbH mit Sitz im benachbarten Freital, um die Weiterentwicklung und Vermarktung von cera2heat voranzubringen.

⁞⁞⁞ Marcus Stein, Mitbegründer und Geschäftsführer der watttron GmbH ⁞⁞⁞

Den Ausgangspunkt der Innovation bildete die Erkenntnis, dass Kunststoffverpackungen wie Joghurtbecher, Kaffeekapseln oder Blister für Zahnbürsten bis heute nach einem wenig effizienten Verfahren hergestellt werden. Dabei wird eine Kunststofffolie zwischen zwei Heizplatten erhitzt und anschließend durch Druckluft in die gewünschte Form gebracht. Da der Kunststoff dabei gleichmäßig erhitzt wird, kann der Formungsprozess nicht gezielt gesteuert werden. Die fertige Verpackung hat an einigen Stellen mehr Kunststoff, als es eigentlich bräuchte. Gleichzeitig wird durch die vollflächige Erwärmung mehr Energie als nötig verbraucht.

Siegerstempel IQ Innovationspreis Mitteldeutschland 2017Genau dieses Problem löst das Heizsystem cera2heat, mit dem einzelne Punkte des zu verformenden Halbzeugs, beispielweise einer Kunststofffolie, gezielt erwärmt werden können. Dazu wurden die Heizflächen in 5x5 Millimeter große Felder (Heizpixel) unterteilt, unter denen sich jeweils ein elektrischer Widerstand befindet. Mittels einer ebenfalls selbst entwickelten Software lässt sich die genaue Temperaturverteilung für eine optimale Formgebung berechnen und jeder einzelne Heizpixel – jeweils kleiner als eine Cent-Münze – gezielt ansteuern. Im Ergebnis kann eine bis zu 30 Prozent dünnere Kunststofffolie eingesetzt werden. Gleichzeitig reduziert sich der Energieverbrauch um rund 30 Prozent. „Bei rund 3,5 Mio. Tonnen thermogeformter Verpackungen, die jährlich allein in Europa produziert werden, ergibt sich ein riesiges Einsparpotenzial“, betont Marcus Stein.

Für ihre Innovation wurde watttron mit dem Clusterpreis Energie/Umwelt/Solarwirtschaft des IQ Innovationspreis Mitteldeutschland 2017 ausgezeichnet. Gestiftet wurde die mit 7.500 EUR dotierte Auszeichnung gemeinsam von der envia Mitteldeutsche Energie AG und der Siemens AG. „Dieser Gewinn gleich bei der ersten Teilnahme am IQ-Wettbewerb ist natürlich großartig. Einen Teil des Preisgeldes haben wir in einen guten Kaffeeautomaten investiert. So ist der Erfolg täglich für das ganze Team sichtbar“, so der watttron-Geschäftsführer. Neben dem Preisgeld ist mit dem Clusterpreis eine einjährige Mitgliedschaft in der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland verbunden. Deren Netzwerk bietet einen qualifizierten Zugang zu Entscheidern der mitteldeutschen Wirtschaft  und damit besonders für junge Unternehmen attraktive Chancen für ihren Markteintritt.

Clustersieger Energie/Solar/Umwelt IQ 2017 WatttronNoch in diesem Jahr soll cera2heat erstmals in einer Maschine im produktionsnahen Dauertest eingesetzt und getestet werden. Die dabei gesammelten Erfahrungen will watttron für die Weiterentwicklung der Innovation bis zur finalen Serienreife nutzen. Vom „Schwesterprodukt“ cera2seal, einer keramischen Heiztechnologie zur Versiegelung von Verpackungen, wurde bereits ein solcher Prototyp verkauft und befindet sich im Einsatz bei einem Kunden. Neben den beiden Produkten bietet watttron den Anwendern auch umfangreiche Dienstleistungen und Aftersales-Services an. Dazu gehören unter anderem Simulationen zur Optimierung der Formgestaltung und der Produktionsprozesse sowie die individuelle Beratung für innovative Funktionalitäten von Verpackungen. Neben dem Einsatz bei der Verpackung von Lebensmitteln soll cera2heat zukünftig auch in der Pharmaindustrie, im Automobilbau und der Mikroelektronik zur Anwendung kommen. Erste Gespräche mit potentiellen Kunden laufen dazu bereits. Darüber hinaus sind weitere Entwicklungen auf Basis der Technologie geplant. So bereiten die watttron-Macher einen kontaktlosen Heizstrahler vor, der die Herstellung von PET-Flaschen optimieren soll und wollen sich mit der Verarbeitung biologisch abbaubarer Kunststoffe an ein weiteres Zukunftsthema wagen.

⁞⁞⁞ IQ Innovationspreis Mitteldeutschland 2017, Clustersieger Energie/Umwelt/Solarwirtschaft: watttron GmbH aus Freital mit den Preisstiftern envia Mitteldeutsche Energie AG und Siemens AG; v.l.: Kerstin Heinitz (Siemens AG), Dr. Sascha Bach, Michaela Wachtel, Marcus Stein und Ronald Claus (alle watttron GmbH), Dr. Andreas Auerbach (envia Mitteldeutsche Energie AG); (© Guido Werner/GWP) ⁞⁞⁞

Entsprechend stehen die Zeichen bei dem sächsischen Startup auf Wachstum. Bis Ende 2017 will man im Freitaler Technologiezentrum eine doppelt so große Gewerbe- und Bürofläche anmieten, um die Serienproduktion von cera2heat vorzubereiten. Auch das Team von derzeit sechs festangestellten Mitarbeitern soll weiter wachsen, aktuell wird ein Software-Entwickler gesucht. „Wir liegen voll im Plan was den Aufbau unseres Unternehmens und den Markteintritt unserer Produkte betrifft“, so das positive Zwischenfazit von Marcus Stein.

Zitate

Dr. Viola Hahn
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