Metropolregion Mitteldeutschland-Leipzig '89

Leipzig '89

Nikolaikirche Leipzig | Foto: Nikolaikirche Nikolaikirche Leipzig | Foto: Nikolaikirche

  • Hintergrund

    Der „Eiserne Vorhang“ ist heute, dank der Friedlichen Revolution von 1989/90, Geschichte. Dabei spielte die Stadt Leipzig seinerzeit eine bedeutende Rolle. Der Keim für die Friedliche Revolution wurde bereits zu Beginn der 1980er Jahre gesetzt, als sich die wöchentlichen Friedensgebete in der Nikolaikirche dauerhaft etablierten. Als sich 1989 die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Zustände zuspitzen, begannen die Bürger zu demonstrieren. Anfangs waren es mehrere hundert Personen, die auf die Straße gingen. Mit Festnahmen, Verhören und Veranstaltungsverboten versuchten das Ministerium für Staatssicherheit und die Volkspolizei, die Bewegung zu unterbinden. Dennoch weitete sich die Bewegung ab September 1989 zu Massendemonstrationen aus. Die Zahl der Teilnehmer wuchs dabei von Woche zu Woche auf bis zu ca. 300.000 Menschen (manche Quellen gehen sogar von 400.000 Menschen aus) zur Montagsdemonstration am 6. November 1989, was den Höhepunkt der Montagsdemonstrationen markierte. Aufgrund der Vielzahl der Teilnehmer wurden dabei aus den anfänglichen Kundgebungen auf dem Nikolaikirchhof Demonstrationszüge über den gesamten Innenstadtring. Die Regierung der DDR versuchte mithilfe des Ministeriums für Staatssicherheit und der Volkspolizei nach wie vor, diese Bewegung zu unterbinden. Jede Woche kam es zu zahlreichen Festnahmen sowie persönlichen und medialen Einschüchterungsversuchen. Dass die Lage dennoch nicht eskalierte, ist der Tatsache zu verdanken, dass die Initiatoren und prominente Unterstützer immer wieder zu Gewaltlosigkeit und Dialog aufgerufen haben. Ein heikler Punkt bei den Demonstrationszügen um den Innenstadtring war die „Runde Ecke“, welche ab 1950 Sitz der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit (BVfS) war. In der Nacht vom 4. auf den 5. Dezember 1989 besetzten Mitglieder des Bürgerkomitees das Gebäude, um Dokumente und Belege zum Wirken der Stasi zu sichern.

  • Vordergrund

    Wenn Sie heute die Stadt Leipzig besuchen, werden Sie allein in der Innenstadt durch eine Stelenausstellung an 16 historischen Schauplätzen mit der Friedlichen Revolution konfrontiert. Die Tafeln an den Stelen aus Streckmetall, das in der DDR für Grenzsicherungsanlagen eingesetzt wurde, informieren über bedeutende Aktionen des politischen Widerstandes in Leipzig. Wer es moderner mag, kann diesen Rundgang übrigens auch mithilfe der APP „Leipzig ´89“ machen, welche ebenfalls die Orte der Stelen und deren Inhalte dokumentiert. Selbstverständlich landen Sie bei einem solchen Rundgang auch unweigerlich an der Nikolaikirche, wo Sie eine kleine Ausstellung zu den Ereignissen von 1989/90 im Eingangsbereich finden. Oder Sie schließen sich einer Kirchenführung an, die von Gemeindemitgliedern, welche häufig auch Zeitzeugen der Friedlichen Revolution sind, geleitet werden und erfahren neben der Geschichte des Gotteshauses auch persönliche Erlebnisse und Eindrücke aus der Wendezeit. Folgen Sie den Stelen über den Innenstadtring, gelangen Sie zu weiteren Schauplätzen, wie eben der „Runden Ecke“, die heute ein Museum ist. Durch Schautafeln und etwa 40.000 einzigartige Objekte erfahren Sie, wie das Ministerium für Staatssicherheit seinerzeit gearbeitet hat. Die angebotenen Führungen geben einen guten Einstieg in die Ausstellung, beleuchten einzelne Punkte, wie Spionagetechnik oder die Todesstrafe in der DDR etwas detaillierter, und regen zum eigenen Vertiefen an.

  • Auf dem Weg

    Leipzig ist ein sehr beliebtes Reiseziel und bietet seinen Besuchern viel zum Entdecken. Bedeutende Persönlichkeiten, wie Gottfried Wilhelm Leibniz, Richard Wagner und Karl Liebknecht als Kinder Leipzigs sowie Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy und Kurt Masur, die Teile ihres Lebens hier verbracht haben, haben die Stadt geprägt. Verschaffen Sie sich vom City-Hochhaus, dem Rathausturm oder dem Völkerschlachtdenkmal einen Überblick über die Stadt, entdecken Sie europaweit Einzigartiges wie den Hauptbahnhof als größten Kopfbahnhof, die Leipziger Baumwollspinnerei als Hotspot der Künstler, den Bayerischen Bahnhof als ehemals ältesten Kopfbahnhof der Welt oder den Zoo, einer der ältesten und gleichzeitig modernsten Zoos der Welt und genießen Sie die Grünen Oasen und Wasserwege mitten in der Stadt.

  • Allgemeinbildung

    • November 1982: Beginn der montäglichen Friedensgebete in der Nikolaikirche
    • Ab 1984: Leitung der Friedensgebete durch Pfarrer Christoph Wonneberger und Christian Führer
    • Ende 1988: Anstieg der Teilnehmerzahlen am Friedensgebet aufgrund der gesellschaftlichen und politischen Debatte
    • 11. Januar 1989: Aufruf zur einer Gedenkdemonstration mittels Verteilung von 5.000 Flugblättern
    • 25. September 1989: nach der Predigt von Christoph Wonneberger nehmen 5.000 Menschen an der Montagsdemonstration teil
    • 2. Oktober 1989: es demonstrieren 20.000 Menschen
    • 9. Oktober 1989: 8.000 Polizisten, Kampftruppenmitglieder und NVA-Soldaten stehen bereit, um den 70.000 Demonstranten gegenüberzutreten. Dennoch blieb es, nicht zuletzt dank des „Aufrufs der Leipziger Sechs“( Kurt Masur, Kabarettist Bernd-Lutz Lange, Theologe Peter Zimmermann und drei Sekretäre der SED-Bezirksleitung), gewaltfrei. Dieser Tag gilt als Wendepunkt der Friedlichen Revolution.
    • 16. Oktober 1989: 120.000 Menschen nehmen an der Demonstration teil
    • 23. Oktober 1989: 200.000 Teilnehmer ziehen als Demonstranten über den Innenstadtring
    • 30. Oktober 1989: 300.000 Menschen schließen sich dem friedlichen Protestzug an

 

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"Wir sind das Volk"

Kontakte

Nikolaikirche
Nikolaikirchhof, 04109 Leipzig
www.nikolaikirche.de

Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke"
Dittrichring 24; 04109 Leipzig
T. 03 41 / 9 61 24 43
mail@runde-ecke-leipzig.de
www.runde-ecke-leipzig.de